Hilke MacIntyre wurde in Deutschland nahe der Grenze zu Dänemark geboren. Sie studierte Architektur an der Hochschule für Kunst und Design in Kiel und arbeitete für verschiedene Architekten, bis sie 1995 nach Schottland zog. Seitdem konzentriert sie sich auf Druckgrafik, Keramik und Malerei und kombiniert einen vereinfachten figurativen Stil mit kräftigen Formen, kräftigen Farben und abstrakten Mustern. Ihre Arbeiten sind in Galerien in ganz Großbritannien ausgestellt und ihre Linolschnitte und Holzschnitte wurden für zahlreiche Illustrationen verwendet. Sie lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf in der Nähe von St. Andrews.

Keramiken und Linol-, bzw. Holzdrucke sind unter den Kunstformen buchstäblich handwerklich, noch mehr als die Malerei, denn bevor man ein Bild in den Händen hält, muss man zunächst die Form dafür schaffen, also einen Gegenstand herstellen, der Wiederum das Bild erschafft.

In den Keramiken geschieht das über Gipsformen, die zunächst in Ton geschnitten werden, dann ausgegossen und getrocknet werden. Ist die Form fertig, wird darin der eigentliche Ton mithilfe einer Buchpresse hineingedrückt. Diese Tonkachel wird anschließend luftgetrocknet. Der Feuchtigkeitsverlust macht sie bereit für den ersten Brand, den Rohbrand, im Ofen.
Der erste Brand sorgt für die Festigkeit, erst danach kann die Lasur aufgetragen werden und es folgt der Lasurbrand.
Hilke MacIntyre sagt dazu: “Mit den Lasieren bin ich immer ziemlich penibel und es braucht immer einiges an Tests, bis ich herausgefunden habe, wie ich die ganze Edition lasieren will, d.h. wie ich den Gesamteindruck festlegen will, aber wie dann in der Keramik so ist, kommt jedes Stück dann doch mit leichter Variation aus dem Ofen.“
Ihre Reliefkeramiken behandelt Hilke MacIntre wie ihre Druckgrafiken, sie sind limitiert, nummeriert und auch signiert. Die Anzahl der Exemplare ist auf 50 begrenzt.
Hilke MacIntyre hat und Einzelkeramiken und Doppelkeramiken mitgebracht.
Ich greife eines heraus, das es mir besonders angetan hat. Es ist die Doppel-Keramik mit den Vögeln- vielleicht Raben- in einem Wasserbecken. Durch die Perspektive und Abbildung auf der Keramik könnte es ebenso gut ein Baum sein, fest verwurzelt in der Erde, solide im Stand, was mir auch gefallen würde.
In den Farben blau, grau, braun und alles dazwischen nehmen gute gelaunte Vögel ein Bad. Sie sind miteinander in Verbindung über ihre Flügel, Schnäbel oder Schwanzspitzen, gruppieren sich an dem runden Beckenrand. Es sind 5.
Am Rande des Wasserbeckens sind ebenfalls 5 größere Symbole, die in verschiedenen Ansichten ebenfalls Kreise tragen. Die Symbole setzen sich weiter fort und werden immer kleiner. Ich zähle 5 allmählich verschwindende, weitere Kreise. Oberhalb der Vögel, in dem Himmel, sehen wir Wasserspritzer, eine Sonne, zwei Wolken, ein Flugzeug…also, wer jetzt mitgezählt hat,…wieder 5 Elemente.
In der Zahlensymbolik steht die Zahl 5 für die Einheit, die Fünf ist ein Grundmaß für das Zählen, jeweils fünf werden gebündelt in einer Strichliste, das Offensichtliche wird an den 5 Fingern abgezählt, wenn man seine fünf Sinne beieinander hat.
In der Esoterik ist die Zahl 5 die Zahl der Liebe, des heilsamen Be-Wirkens, sie steht für Verantwortungsgefühl, Helfen, Heilen, Dienen, den Sinn des Lebens.
Der Sinn eines jeden Lebens sollte Liebe sein. Einander helfen und heilen, wenn es nötig ist. Alles das ergibt Eins-Sein, Miteinander-Sein und Wohlgefühl- so wie es diesen 5 Raben aus ihrem Keramikgefieder strahlt und in den Himmel spritzt vor lauter Übermut.
Das überschäumende Wasser verbindet Himmel und Erde, baut eine Brücke, so dass sich auch hier der Kreis schließt.

Hilke MacIntyres Werke strahlen dieses Eins-Sein, die Liebe aus, gerade auch in ihren Alltagsszenen. Den meisten entspringt eine Heiterkeit und harmonische Innigkeit, die man einfach genießen kann.

Die Auflagenzahl von 50 ergibt übrigens in der Quersumme auch 5, was in diesem Zusammenhang auch interessant ist.

Kommen wir zu den Druckgrafiken von Hilke MacIntyre.
Sie verwendet dabei Linol- und Holzschnitt und sagt dazu:
„Die beiden tun sich nicht viel in der Technik, der Linoldruck ist etwas einfacher zu schneiden, und man kann damit mehr Details zeigen. Das Schneiden in Holz ist zwar schwieriger, aber man hat dann die Maserung und kann damit wiederum eine Menge machen. Mir gefallen beide Techniken, denn am Ende sieht man, dass das Bild mit der Hand gemacht wurde und ich arbeite auch gerne mit der Widerspenstigkeit von Materialien.“
Auf diese Druckplatte wird dann die Farbe aufgerollt, die Platte geht zur Presse, wird dort in eine kleine Vorrichtung gespannt und gegen das Verrutschen geschützt. Dann kommt das Papier und nochmal Deckmaterial drüber und die Walze wird drüber gerollt, damit die Farbe auf der Druckplatte auch auf das Papier kommt.
Will man mehrere Farben auf dem Werk haben, wiederholt man diesen Vorgang mit anderen Farben, die man auf die weiterverarbeitete Platte aufträgt. Zwischen den unterschiedlichen Farbaufträgen muss das Blatt jedoch immer wieder getrocknet sein.

Einer dieser Drucke, von denen ich spontan angezogen wurde, heißt »Summers Night«.
Verwendet wurden nur fünf Farben (oh, guck an, fünf:-).
Ein roter Rahmen fasst eine schwarze Fläche ein. In dem Schwarz sind zumeist lilafarbene Sterne und ein abnehmender Mond gesetzt, die jeweils einen weißen, comicartigen, runden Leuchtrand um sich haben.
Dieses Firmament umhüllt eine lilafarbene, eher ovale Fläche, in der symbolisches Geäst und Gras, klar voneinandner getrennt gedruckt ist. Darin liegt mit hinter den Kopf verschränkten Armen eine Frau in einem roten Kleid und lächelt im Schlaf. Sie strahlt Zufriedenheit aus.
In diesem Bild zeigt sich sehr deutlich Hilke MacIntyres Art, mit kräftigen Farben und klaren Linien ganze Welten zu zaubern.
Die wenigen Farben, die hier verwendet werden, schaffen ähnlich wie die Flügel der Raben eine Verbindung des Ganzen. Das Rot im Rahmen und im Kleid sind Passepartout und Hauptmotiv. Lila und Schwarz (oder sagt man Flieder?) Stellen über ihre Farbzusammenhänge eine Verbindung zwischen Gras, Wald und Universum her. Alles ist für sich und doch zusammen. Alles ist ein Teil von einem Ganzen.

Hilke MacIntyre malt, schnitzt und brennt Leben aus Linien, die Wege werden, damit unsere Phantasie sie gehen kann.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Vergnügen und eine angenehme Zeit mit dieser Ausstellung »Lebenslinien« von und mit Hilke McIntre.

Maike Brzakala, April 2019 für die Galerie Göldner

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